„Pflege-Bahr“ kommt an: Branche erwartet eine Million Pflegeversicherungen

Die Zahl der staatlich geförderten Pflegeversicherungen wird in diesem Jahr auf mehr als eine Million Verträge ansteigen. Der PKV-Verband sieht eine ansteigende Dynamik im Neugeschäft und weist darauf hin, dass sich das Risiko der Pflegebedürftigkeit gut und zu moderaten Kosten absichern lasse.

Nach Angaben des Verbands existierten Ende Januar 2014 bereits 404.200 Pflegeversicherungen mit staatlicher Förderung. Zum Jahreswechsel waren es demnach noch 353.400. Die wachsende Akzeptanz des in Anlehnung an den für die Förderung verantwortlichen früheren Gesundheitsminister als „Pflege-Bahr“ bezeichneten Konzepts spiegelt sich nach Angaben der Branche in einem stark wachsenden Neugeschäft wider.

Mehr als 1.000 staatlich geförderte Pflegeversicherungen pro Tag

Demnach wurden Ende 2013 pro Tag mehr als 1.000 staatlich geförderte Pflegeversicherungen abgeschlossen. Im Januar 2013 – direkt nach der Einführung – waren es lediglich 240 Verträge pro Tag. Uwe Laue, der Vorsitzende des PKV-Verbandes, rechnet deshalb bis zum Jahresende mit einem Vertragsbestand von mehr als einer Million Policen.

Das wachsende Interesse an den Pflegeversicherungen erklärt sich Laue mit der Akzeptanz der Notwendigkeit einer geeigneten Vorsorge und den überschaubaren Kosten: „Die Menschen erkennen zusehends den Bedarf einer zusätzlichen, kapitalgedeckten Vorsorge, weil die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen ‚Teilkasko‘-Schutz bieten kann. Und je früher man anfängt, desto günstiger ist es und desto stärker wirkt sich die Kapitaldeckung aus. Für kaum ein Risiko kann man finanziell so gut und langfristig vorsorgen wie für die Pflege, die meist erst im hohen Alter eintritt.“

Kontrahierungszwang ein Nachteil für junge Leute?

Allerdings sind möglicherweise vor allem junge Leute mit den staatlich geförderten Tarifen nicht gut bedient. Das „Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung“, mit dem die Förderung eingeführt wurde, untersagt Versicherern den Ausschluss von Antragstellern aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen. Wer jung und gesund einen Vertrag abschließt zahlt dadurch womöglich trotz der Förderung zu viel.

Der Staat gewährt ab einem monatlichen Eigenanteil in Höhe von 10 Euro eine monatliche Förderung von 5 Euro. Die Stiftung Warentest bemängelte bei einer Untersuchung der Tarife vor allem für die Pflegestufen 0 und 1 monatliche Versorgungslücken im dreistelligen Bereich. Der Kontrahierungszwang führe zudem zu verglichen mit nicht geförderten Policen insgesamt schlechteren Vertragsbedingungen.